Posts Tagged ‘Schmuggel’

Eine kleine Geschichte des Schmuggels zwischen Italien und der Schweiz

Oktober 21st, 2015 | By Paola Mazzo in Ausflugstipps, Parco San Marco | No Comments »

Das Wort Konterbande (Schmuggel auf dem Seeweg) leitet sich vom mittellateinischen “contra bannum” ab, was soviel bedeutet wie “wider das Verbot”. Als Schmuggel bezeichnet man die illegale Verbringung verboteter Güter über Landesgrenzen oder den Transport von Waren ohne Zahlung der vorgeschriebenen Zölle. Schmuggel war früher ein weit verbreitetes Phänomen und intensivierte sich noch nach der Gründung des

confine svizzeroKönigreichs Italien und der Einrichtung staatlicher Monopole in Italien.  Eine Lebensmittelknappheit in der Schweiz während des ersten Weltkriegs löste eine Flut von Schmuggelware von Italien in Richtung Schweiz aus. Auch 1943 herrschte Nahrungsmangel in der Schweiz, der zu großer Nachfrage nach Reis aus Italien führte, während Güter wie Kaffee, Tabak und Salz in umgekehrter Richtung flossen.

Die für den Schmuggel besonders berüchtigte Gegend war die Grenze zwischen dem Comer See und dem Tessin. Ganz besonders Val d’Intelvi und die höheren Täler des Comer Sees, die durch Schluchten, Rinnen und steile Abhänge charakterisiert sind, boten den Schmugglern viele Möglichkeiten, sich vor den Scharen italienischer Grenzpolizisten zu verstecken.

Aufgrund der geographischen Gegebenheiten und mangels anderer Einkunftsquellen war Schmuggeln auch in unserer Region um den Lago di Lugano gang und gäbe. Das gilt ganz besonders für Val Cavargna nahe der Schweizer Grenze. Die Route führte die Schmuggler zunächst auf den Mottarone und dann durch die “Belarma” über einen Pfad entlang der Steilhänge über dem Lago di Lugano. Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert schuf der italienische Staat eine Grenzeingreiftruppe  und versuchte durch die Isolierung der Hochtäler auf beiden Seiten der Grenze des illegalen Handels Herr zu werden. Dies hatte aber nur zur Folge, dass sich die Solidarität der Bevölkerung um den Comer See und im Tessin erhöhte, so dass die Schmuggel-Aktivitäten sich noch verstärkten und in einigen Gebieten zum nahezu einzigen Broterwerb wurden.

contrabbandiere

Nicht einmal die Ereignisse des 2. Weltkriegs und die strengen Handelsbeschränkungen, die zu erheblicher Lebensmittelknappheit führten, konnten den Schmuggel zwischen Como und dem Tessin beenden. Ganz im Gegenteil – gegen Ende des Kriegs war Reis die am häufigsten geschmuggelte Ware zwischen beiden Regionen, nicht nur weil Reis leicht zu kochen ist, sondern auch, weil er sättigt. Anstatt ihre Ernte an die deutschen Besatzer abzugeben, verkauften die italienischen Bauern ihren Reis lieber in Lugano und Bellinzone, auch wenn sie dabei irgendwie die Zöllner an der Grenze umgehen mussten. Von 1950 bis 1970 änderten sich die Zeiten und die “spalloni”, die Schmuggler, die di

Einen detaillierten Überblick über Schmuggel in unserer Region gibt das Zollmuseum in “Cantine di Gandria”. Das Museum befindet sich am südlichen Ufer des Lago di Lugano an der “grünen” Grenze nach Italien. Man erreicht es am besten per Fähre. Die Fahrt von Lugano (Anlegestellen Giardino, Centrale oder Paradiso) über den See dauert etwa 25 Minuten. Die Fähren legen entweder direkt am Museum (Halt Museo Doganale) oder in Cantine di Gandria an, von wo es einen kurzen Fußweg gibt, der zum Museum führt.e Schmuggelware in ihrem “bricolla” – einer Art Kiepe – über die Grenzen trugen, gehörten nunmehr der Vergangenheit an. Der moderne Schmuggel bedient sich anderer Mittel und läuft über andere, neue Grenzen.

cantine di gandria